10 von 10 | Oktober 2016

Ich weiß, es heißt 12 von 12. Aber da ich meine Pappenheimerin (also mich) ja kenne, ahnte ich, dass ich es mit Ach und Krach vielleicht auf 10 Fotos schaffe. Also 10 von 10. Und dann habe ich noch nicht mal wirklich zehn geschafft und wenn ich so auf die Uhr gucke, schaffe ich den 10. Oktober wohl auch nicht mehr. Haha! Und das passt lustigerweise hervorragend zu meiner Agenda, denn: Eigentlich mache ich sowas ja gar nicht, ich bin froh, wenn ich dazu komme, etwas halbwegs Sinnvolles zu bloggen, aber seit ich ein Instagram-Profil habe, habe ich mehr denn je den Impuls zu zeigen, wie ein ungeleckter Alltag aussieht. Zumindest meiner. Here we go, ohne Filter, ohne Schönmachen, ohne Schischi, die reine Wahrheit, das blanke Entsetzen. Nicht mal mit Concealer.

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Es ist irgendwas mit elf Uhr oder so, ich sitze noch mit ungekämmten Haaren und in Unterwäsche auf der Couch in einem Wohnzimmer, das so aussieht und das leider gleichzeitig meins ist. Mein Mann und ich wollen los, einkaufen, die Waschmaschine piept während der Wäscheständer noch gar nicht abgeräumt ist und ich muss noch Haare kämmen. Haare kämmen, was für ein Scheiß ey. Im Hintergrund ein Zalando-Paket mit einer Winterjacke für das Große Herzliebchen, die wir zurückschicken müssen, weil sie zu klein ist. Im Vordergrund ungeöffnete Briefe und ein Buch, das ich noch lesen muss für eine Rezension. Ich könnte zwei A4-Seiten füllen, wenn ich eine To-Do-Liste schröbe, die allein die Aufgaben aufzählt, die auf diesem einen Bild zu sehen ist. Ich stelle mir vor, ich sei Sisyphos (im Camusschen Sinne, denn das mit den ungelesenen Büchern, der ungewaschenen Wäsche, den eintrudelnden Briefen hört ja einfach nicht auf) und bin einfach trotzdem gut drauf!

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Das hat auch mit dem Kleinen Herrn Speckerich zu tun. Ein bisschen Euphemisierung kann ich mir nämlich hier doch nicht verkneifen und nutze die Zeit, die er in dieser megaüberteuerten Federwiege liegt, um ein Foto für die Erinnerung zu schießen: „Weißt Du noch, fabelhafter Mann, vorletzte Woche, da hatte er ganze vier Minuten Bock drauf! Wir haben uns die Wiege wirklich nicht umsonst vom Mund abgespart!“ Die Federwiege lehnt der Kleine Herr Verweigerich übrigens genauso ab, wie das erste Fläschchen, das ihm der Papa heute Morgen gemacht hatte, um mich (von Clusterkopfschmerzen-Attacken ermattet im Bette liegend) nicht zu wecken. Für eventuelle Notfälle habe ich nämlich mal auf der Humana-Seite Probepackungen von der sojabasierten Säuglingsnahrung bestellt, die hat er heute mal ausprobiert. Offenbar bleibt jetzt wohl nur zu hoffen, dass es keine weiteren Notfälle gibt.

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Ey, das sieht man gar nicht richtig, das sind richtig sausauviele Haare. Der fabelhafte Mann und ich wundern uns jeden Tag (also an jedem Tag, an dem ich Haare kämme) darüber, dass ich noch Haare auf dem Kopf habe. Postnataler Haarausfall ist ein Fiesling. Zum Haarekämmen brauche ich etwa 20 Minuten. Haarekämmen ist ein Fiesling.

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Alle paar Jahre vergesse ich, dass ich das mit so Tagesabreißkalendern immer nicht so gut auf die Reihe bekomme. Dieses Jahr bin ich erstaunlich weit gekommen!

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Ich glaube, das Foto muss ich aus Versehen im Auto geschossen haben, auf dem Weg zum Einkaufen. Es muss zählen, denn sonst komme ich tatsächlich nicht auf zehn Fotos. Aber ich hab’s mal klein gelassen.

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Der Kleine Herr Meckerich hat kein Bock auf Autofahren. Was soll man machen. War nur ganz kurz, ich schwör!

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Und dann haben wir noch Besuch bekommen! Ein wunderschöner Nachtpfauenauge! Das Große Herzliebchen hätte sich bestimmt auch gefreut.

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Habe ich erzählt, dass ich gerade wieder Clusterkopfschmerzen (mitunter Suicide Headaches genannt) habe? Besuch der anderen Art, alle 2-3 Jahre für 6-7 Wochen. Die sind der allergrößte Fiesling. Echt jetzt. Ohne meine Sauerstoffflasche gehe ich derzeit nirgends hin. Deshalb habe ich heute auch hochdosiert Cortison angefangen, das hat früher gut geholfen, bei meiner letzten Episode leider gar nicht. Drück mir die Daumen, dass es dieses Mal wirkt! Zum Glück gibt’s Embryotox, und das Medikament, das ich brauche, ist da zufälligerweise als stillkompatibel gelistet.

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Während ich im Bett liege, google ich mal einfach so „12 von 12“ und stelle fest, dass es wohl Usus ist, das am gleichen Abend zu posten. Uach, ich dachte, ich mache das so im Laufe der Woche! Nun, dem Kopf geht es wieder gut und stelle beim Rübergehen fest, dass ich nur acht Fotos habe (das aus-Versehen-Foto mitgezählt). Was tun? Ich fotografiere das, worauf mein Blick fällt. Ein Schreibtisch, der so aussieht und gleichzeitig leider meiner ist. Seit Tagen will ich ihn aufräumen und komme einfach nicht dazu. Also, ich habe ja nie so richtig zu Team Ordentlich gehört. Aber ich möchte hier dennoch meinen Mann, der ansonsten wirklich fabelhaft ist, mit in die Verantwortung ziehen. Ich nämlich so (als ich mir den Schreibtisch gekauft habe): Boah cool, endlich ein riesiggroßer Schreibtisch! Und er so (beim Aufräumen seit ich mir den Schreibtisch gekauft habe): Hä, wo solln das hin. Ich leg’s mal auf Sohras Schreibtisch. Ich meine, seriously, wieso steht die Sockenkiste auf meinem Schreibtisch?! Weißt Du was, ich stelle die jetzt einfach auf Danials Schreibtisch! Hihi! Den leeren Pappkarton schmeiße ich aber direkt in den Papiermüll. Vielleicht dachte er ja, dass ich ihn aufheben möchte. Ich leide nämlich leider an Aufheberitis. Und falls es Dir noch nicht aufgefallen ist, möchte ich Dich, geneigte Leserin, geneigter Leser, auf meine Affinität für Post-Its aufmerksam machen. Wie bitte, was da so draufsteht? Na gut, unter uns Betschwestern. Auf dem ersten von links steht steht z.B. „It’s not an emergency“. Mein neues Mantra, seit ich es in einem Text von Aha! Parenting gelesen habe – es soll mich wieder auf den Boden bringen, wenn ich mich über das Große Herzliebchen aufrege, wenn es, keine Ahnung, irgendetwas macht, was mich total nervt oder aufregt, aber, wenn man mal genauer hinguckt, eigentlich echt kein Weltuntergang ist. Ich denke das dann immer nur, weil bei mir eigentlich irgendwas anderes los ist (Müdigkeit oder so) und mich zu einer Handlung gefordert sehe, mir nicht einfällt, was ich machen soll und überfordert bin, aber eigentlich gibt’s nur eine Handlung, die wichtig ist, die steht auf dem zweiten Post-It von links: „Choose Love“. Seit ich mir nämlich das Schreien tatsächlich so ziemlich abgewöhnt habe, will ich als nächstes auch nicht mehr meckern oder mich vorwurfsvoll aufregen.  Aha! Parenting sei Dir hiermit wärmstens ans Herz gelegt. Und UNBEDINGT Transparents.net, bei denen mache ich nämlich derzeit das Jahrestraining für transformative Elternschaft – das hat ganz viel mit Gewaltfreier Kommunikation und Bindungstheorie zu tun. Wirklich, wirklich WIRKLICH eine Offenbarung! Darüber schreibe ich bei Gelegenheit bestimmt mal mehr.

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Der (zweifachen) Vollständigkeit halber mache ich noch ein Follow-Up von unserem Wohnzimmer. Das hat der Mann aufgeräumt, während ich zur Wohnung vom Ex gefahren bin, um dem Großen Herzliebchen seine warme Jacke vom letzten Winter vorbeizubringen (auch wenn sie ihm schon ein bisschen zu klein ist. Auch beim Einkaufen haben wir nämlich keine schöne Jacke gefunden, obwohl wir das ganze Gesundbrunnen-Center in Wedding durchforstet haben. Das Internet spuckt auch nichts aus, was uns allen gefällt. Und das Zalando-Paket habe ich auch vergessen zur Post zu bringen. Na ja, im Laufe der Woche dann, nä.) weil es mir am Telefon gesagt hatte, dass es mit seiner Übergangsjacke schon friere. Das war schön! Und anstrengend. Schön, weil ich das Große Herzliebchen zu Gesicht bekommen habe, wenn auch nur kurz. Und anstrengend, weil der Ex und ich das mit dem Miteinanderzurechtkommen echt nicht auf die Reihe bekommen und einfach keine guten Vibes herrschen, wenn er und ich aufeinandertreffen, auch nach all den Jahren nicht. Und auch ein bisschen wehmütig war es auch, denn das Große Herzliebchen wollte mir seinen Spielstand bei Anki Overdrive zeigen und sowieso wollte er nicht, dass ich gehe, aber ich hatte meine Sauerstoffflasche tatsächlich vergessen und Angst, weil ich im Fall einer Cluster-Attacke einen Rettungswagen rufen müsste und konnte deshalb nur ganz kurz bleiben. Morgen fängt aber wieder Mama-Zeit an und dann sind wir hier wieder komplett. Gott, wie sehr ich mich darauf freue!

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So. Und nun sind es doch elf Bilder geworden. Denn wirklich ganz, ganz kurz bevor ich diesen Beitrag posten konnte, ist der Kleine Herr Süßerich aufgewacht. Ich habe mich dann zu ihm gekuschelt und er ist schnell und friedlich wieder eingeschlafen. NICHT! Das ist allerdings tatsächlich untypisch. Der Kleine Herr Tragerich schläft tagsüber zwar bedauerlicherweise ausschließlich und zwar wirklich ausschließlich wenn er getragen wird (zum Glück hat der fabelhafte Mann noch Elternzeit und übernimmt das zu weiten Teilen; sonst würden mich alle elf Bilder beim Tragen zeigen. Aufm Zahnfleisch gehend. Weinend.) Allerdings nicht nachts. Wenn ich ihn gegen neun tatsächlich schlafend im Bett habe ablegen können, will er alle ein bis zwei Stunden Stillen, manchmal werden’s auch drei Stunden, und da wir natürlich das Familienbett pflegen, schlafen dabei einfach wieder ein. Also wirklich sehr entspannt. Oder, wenn ich noch gar nicht schlafe, nur er und ich stehe wieder auf. Nicht so vorhin. Ist einfach aufgewacht. Und lag da so rum, strampelnd. Nachdem ich wider jeder Vernunft so eine halbe Stunde oder so gehofft habe, die Sache ausliegen zu können, hat der Kleine Herr Müderich angefangen, die Gesamsituation ziemlich scheiße zu finden und so hatte ich das Vergnügen, ihn wieder in den Schlaf zu tragen. Hat nur bis etwa nach zwei Uhr gedauert. Wunderbar! Immerhin erlaubt mir das bestimmt noch so drei-vier Stunden Schlaf, bis die Attacken wieder losgehen. Und: Beim Pieseln stelle ich auch noch fest, dass weiterer Besuch gekommen ist – die Rote Schwester. Davon habe ich aber mal kein Foto gemacht. Schon zum zweiten Mal seit der Geburt! Der Kleine Herr Schlummerich ist noch nicht mal vier Monate alt! WAS DER SCHEIß SOLL, HABE ICH GEFRAGT! Meine Gebärmutter ist offensichtlich auch ein Fiesling. Die kriegt den Hals einfach nicht voll, will einfach immer weiter reproduzieren. Ohne mich, meine Liebe, ohne mich. Nun gut, während ich das hier zu Ende schreibe, koche ich meinen Mooncup aus. Hätte ich das gewusst, hätte ich heute Morgen natürlich das Temperaturmessen wieder angefangen, dammit. Der fabelhafte Mann tut nämlich immer so, als würde er nicht so richtig verstehen was ich meine, wenn ich erzähle, dass eine Vasektomie eigentlich gar kein so krasser Eingriff ist.

So, das Baby schläft, der Mooncup ist steril, ich gehe schlafen. Was für ein unperfekter Tag! Standart halt. Und so schön! Finde ich wirklich. Jetzt wird gekuschelt und geschlafen. Vielleicht gibt’s ja nächsten Monat wieder ein 10 von 10? Mal gucken was passiert. Gute Nacht!

 

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