Das beste Geschenk der Welt

fullsizerenderWeihnachten kommt – wie Du zum Fest der Liebe (oder auch einfach so) Liebe und Wertschätzung schenken kannst. Mit Glücklichmach-Garantie!

Bekanntlich eilt mir ja der Ruf äußerster Bescheidenheit voraus. Aber letztes Jahr habe ich – und das muss man jetzt einfach mal in aller Deutlichkeit so sagen – das beste Weihnachtsgeschenk der Welt gemacht. Echt jetzt. Und weil ich glaube, dass dieses Geschenk außer meine beiden Schwestern noch viel mehr Menschen bekommen müssen und es einige Vorlaufzeit braucht, schreibe ich das jetzt auf. Wenn Du morgen anfängst es vorzubereiten, kannst Du Deine Liebsten zu Weihnachten zu sehr, sehr glücklichen Menschen machen!

Ich glaube, die Idee hat mit meiner Begegnung mit Gewaltfreier Kommunikation angefangen in mir zu gären. Ich bin leider noch sehr weit entfernt davon, mich gewaltfrei auszudrücken (vor allem wenn es am nötigsten wäre: in Konflikten), aber Gewaltfreie Kommunikation hat einige Schalter in meinem Kopf umgelegt; unter anderem habe ich das Konzept der Wertschätzung kennen gelernt und verstanden – das war mir so in dieser Form tatsächlich irgendwie neu. Es ist nicht üblich, dass wir das machen: Menschen, die wir lieben oder die uns inspirieren, detailliert beschreiben, was wir an ihnen lieben oder wie genau sie uns inspirieren und was genau das in uns anstellt, dass sie so sind, wie sie sind. Mir fiel auf, dass die einzigen Situationen, in denen das überhaupt passiert, viel zu spät kommen – auf Beerdigungen und in Nachrufen sagen wir über den toten Menschen Dinge, die vielleicht sein Leben verändert hätten, hätte er sie zu hören bekommen, bevor er gestorben war. Ich bin zum Glück nicht oft auf Beerdigungen, aber gerade wenn ich Nachrufe lese, frage ich mich immer, ob die Verstorbenen zu Lebzeiten wussten, dass sie von anderen so gesehen wurden.

Das beste Geschenk der Welt

Was ich also letztes Jahr einige Wochen vor Weihnachten machte, war heimlich die FreundInnen meiner beiden Schwestern anzuschreiben und sie zu bitten, meiner jeweiligen Schwester einen Brief der Wertschätzung zu schreiben, die Form oder der Inhalt waren dabei gänzlich offen – Erinnerungen an gemeinsame Erlebnisse, Gesten, die einen beeindruckt haben, Eigenschaften, die man besonders schätzt und an bestimmten Dingen festmacht, alles war möglich. Weil das auch sehr persönlich werden kann, sicherte ich ihnen zu, dass ich die Briefe nicht lesen würde, wenn sie das wollten. Fast alle machten mit und waren von der Idee begeistert und am Schluss klebte ich die eingegangenen Briefe zusammen und machte jeweils ein kleines Heft daraus. Ich hatte die (wörtlich gemeinte) Ehre und durfte die Briefe letztlich alle lesen und ich war beeindruckt von der Offenheit dieser Menschen und auch von ihrer Kreativität. Einige Stücke waren klassische Briefe, es waren aber auch Collagen mit Fotos dabei oder ein Brief bestand nur aus einem einzigen, umwerfenden Satz – so klug und bewegend gewählt. Ich war zutiefst gerührt über die vielen tollen Dinge, die in diesen Briefen standen. Meine Schwestern sind großartige Menschen und ich freute mich unendlich für sie, dass sie so geschätzt werden. Und natürlich schrieb und bastelte ich auch meine eigene kleine Hommage an die beiden.

Was soll ich sagen: Heilig Abend kam, meine Schwestern packten ihre Geschenke aus und dann auch jede das Heftlein von mir und was darauf folgte, hatte sehr viel mit Tränen, ungläubigem Kopfschütteln und Umarmungen zu tun. Ich war nicht immer die Schwester, die ich hätte sein sollen, aber ich werde für immer stolz darauf sein, dass ich meinen Schwestern diese Momente verschafft habe.

Ich hätte ja meinem Freund gerne das gleiche Geschenk gemacht – aber ich war mir so unsicher, ob seine (männlichen) Freunde da mitmachen würden, ich war da gehemmt, ihnen diese ja doch recht persönliche Anfrage zu schicken, zumal wir uns noch nicht so lange kannten. Was denkst Du, klappt das auch bei Männern?

Wertschätzung beflügelt

Ich glaube ja nicht an Zufälle und so hat es mich nicht überrascht, dass das Universum mich für dieses Geschenk belohnte, indem mir bald darauf etwas ganz ähnliches widerfuhr. Ich studiere auf Lehramt und im letzten Semester besuchte ich ein Blockseminar mit dem nichts versprechenden Titel „Gestärkt in den Lehrerberuf“, das sich als eins der lehrreichsten Veranstaltungen meiner sehr, sehr langen Studierkarriere entpuppte. LehrerInnen sind eine Berufsgruppe, in der es nur eine Minderheit schafft, bis zum Rentenalter durchzuhalten, Burn-Out, Depressionen und Überbelastung sind weit verbreitet. Und so ging es in diesem Blockseminar zu weiten Teilen um Strategien, das eigene Selbst zu stärken – letztlich ging es viel um Strategien für ein glückliches Leben. Es war eine kuschelige Runde von sehr netten Leuten, die Arbeit mit den Inhalten des Seminars stellte schnell einen sehr persönlichen Kontakt her und am Schluss gab’s ein besonderes Bonbon: Die Dozentin legte Zettel aus, auf jedem war jeweils ein Name eines der StudentInnen notiert. Daraufhin hatten wir einige Minuten Zeit, auf dem Zettel des/der jeweiligen KommilitonIn Eigenschaften aufzuschreiben, die wir an ihnen an diesem Wochenende als besonders schätzenswert kennen gelernt hatten. Ich fand, das war eine in jeder Hinsicht tolle Aufgabe, denn ich entschied, mir über jeden Menschen Gedanken zu machen und etwas schätzenswertes herauszuschälen, selbst wenn wir kaum miteinander zu tun gehabt hatten und mir zunächst nichts über diesen Menschen einfiel – diese Zeit nimmt man sich nicht oft: zu gucken, was für schätzenswerte Eigenschaften das Gegenüber eigentlich hat, sich wirklich auf die Suche zu machen und das Beste in ihm sehen. Und toll auch deshalb, weil ich selbst einen so wunderbaren Zettel mit nach Hause nehmen durfte – was die anderen darauf über mich geschrieben hatten, warf mich einfach um. Ich habe den Zettel über meinem Schreibtisch aufgehängt und es erfüllt mich immer wieder mit Glück, ihn zu sehen.

Schon einmal ist mir etwas ähnliches passiert. Vor vielen, vielen Jahren schrieb ich einer alten Freundin einen – das digitale Zeitalter hatte uns noch nicht fest im Griff – Brief; im Groben ging es wohl darum, dass ich (bis dahin eine überzeugte Melancholikerin) zu der Meinung gelangt war, zu einem glücklichen Leben müsse man sich vor allem entscheiden und dass ich das nun hiermit tun wolle. Bald darauf schickte sie mir eine Karte, etwas kitschig bedruckt und mit einem hübschen Satz darunter: „Das Glück beruht oft nur auf dem Entschluss, glücklich zu sein“. Sie hatte die Karte kurz nach meinem Brief „zufällig“ (is klar, ne) in einem Laden gefunden. Und auf die Rückseite schrieb meine Freundin mir etwas, das mich bis heute begleitet. Sie schrieb, dass sie mir viel Glück wünsche bei meinem Entschluss, glücklich zu sein und äußerte ihre Zuversicht, dass mir das gelingen würde, denn, so schrieb sie weiter: „die Dinge, die Du Dir für Dich vornimmst, setzt Du auch meist früher oder später um“, und dass das eine meiner Eigenschaften sei, die sie sehr an mir schätze. WOW. Das saß. Ich selbst habe mich natürlich nie so gesehen, aber für mich wurde daraus eine selbsterfüllende Prophezeiung. In all den Jahren, in schwierigen Phasen, fiel mir immer mal wieder dieser Satz ein und er lehrte mich nicht nur Selbstvertrauen, sondern auch Geduld mit mir selbst: Früher oder später würde es mir schon gelingen. Meist. Und auch wenn etwa zehn Jahre ins Land gehen sollten, habe ich das mit dem Glücklichsein tatsächlich umgesetzt. Mein lieber Scholli, war das viel Arbeit! Und es ist immer noch Work in Progress. War mir anfangs irgendwie nicht so klar, dass es mit dem bloßen Entschluss nicht getan war. Aber darüber vielleicht ein anderes Mal mehr.

Es geht auch ganz anders. Mein heimlicher Schwarm Ze Frank hat dazu ein Video gemacht: Crushing Words – über Dinge, die jemand sagt oder schreibt, die einem den Boden unter den Füßen wegreißen können. Auch das ist mir passiert, oft. Und ich habe auch selbst schon solche Dinge zu anderen gesagt, oft. Aber letztes Jahr an Weihnachten habe ich dafür gesorgt, dass zwei Menschen, die mir near & dear am Herzen liegen, erfahren, was genau alles toll an ihnen ist. Vielleicht begleitet und stärkt sie das auch die nächsten Jahre. Echt jetzt: das beste Geschenk der Welt.

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