Essen

Die beste Starthilfe ins Leben gibst Du Deinem Kind, indem Du es stillst – darin sind sich sämtliche Gesundheitsverbände einig. An der Stelle hört es mit der Einigkeit jedoch auf und so sind Eltern oft verwirrt wenn es um die Fragen geht, wann oder wie sie mit fester Nahrung anfangen und was sie geben sollten.

Merke: Wenn vom „fünften Lebensmonat“ eines Säuglings gesprochen wird, ist der Säugling vier Monate alt. Ist die Rede davon, dass ein Säugling vier Monate alt ist, befindet er sich in seinem fünften Lebensmonat. Wenn eine Empfehlung für Säuglinge „ab vier Monate“ lautet, sind Säuglinge gemeint, die vier Monate alt sind. 

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder und Jugendmedizin empfiehlt seit 2010 zur Allergieprävention die Einführung von Beikost ab dem fünften Lebensmonat, also wenn das Baby vier Monate alt ist1. Die European Food Safety Authority (EFSA) stuft in einem Gutachten2 diese Empfehlung als sicher ein, stellt aber gleichzeitig fest, dass die meisten Säuglinge auch über eine ausschließliche Stilldauer von sechs Monaten gut versorgt werden. Außerdem verweist sie auf Ergebnisse, die darauf hinweisen, dass eine Einführung von glutenhaltigen Lebensmitteln zwischen vier und sechs Monaten (bestenfalls noch während gestillt wird) das Risiko von Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) und Diabetes I mindern kann. Außerdem stellt die EFSA fest, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass der Verzicht oder das spätere Einführen bestimmter potentiell allergener Lebensmittel das Risiko für eine Allergie auf diese Lebensmittel senkt.

In der 2011 aktualisierten Stellungnahme "Exclusive breastfeeding for six months best for babies everywhere"3 erneute die Weltgesundheit (WHO) ihre Empfehlung, sechs Monate voll zu stillen. Ab dem siebten Lebensmonat soll demnach mit Beikost begonnen werden. Die WHO empfiehlt, das Stillen auch nach Einführung der Beikost bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres oder darüber hinaus fortzuführen. Die La Leche Liga schließt sich dieser Stellungnahme an4, unter anderem mit dem Verweis, dass eine frühe Einführung von Beikost die Milchbildung der Frau herabsetzt und damit die Stillbeziehung gefährdet. Auch UNICEF empfiehlt sechsmonatiges ausschließliches Stillen.

Wie immer ist es auch hier sinnvoll, intensiv auf die Zeichen des Kindes zu reagieren: Es zeigt Dir, wann es bereit ist.

Die Praxis zeigt jedoch, dass viele gestillte Kinder weder mit vier, noch mit sechs Monaten Interesse an fester Nahrung zeigen. In anderen Familien wird der Plan, sechs Monate voll zu stillen wiederum vom Baby durchkreuzt, das schon mit vier oder fünf Monaten unbedingt an den Familienmahlzeiten teilnehmen will.

Baby-Led Weaning vs. Breinahrung

Die Entscheidung zwischen Baby-Led-Weaning und Breinahrung kommt manchmal einer Glaubensfrage nahe. Letztlich ist es wichtig, auf das Kind und seine Reaktionen zu achten und bei vielen Familien läuft es auf eine Mischung dieser beiden Essensvarianten hinaus.

Baby-Led Weaning (BLW)

Verschlucken: Wenn Dein Baby sich ernstlich verschluckt, leg es rasch "übers Knie" mit dem Oberkörper nach unten und klopf auf den Rücken zwischen die Schulterblätter. Hier siehst Du in einem Erste-Hilfe-Video wie es geht.
Bei BLW geht es darum, einem Baby eine volle Sinneserfahrung mit dem Essen zu ermöglichen, indem man die Lebensmittel nicht püriert, sondern als Finger Food anbietet, so dass das Kind sich selbst die Essenswelt in Textur, Geschmack, Farbe und Geruch erschließen und mit ihr experimentieren kann. Bei der Beikosteinführung geht es hier primär darum, die Selbstbestimmung zu fördern, die natürliche Neugierde des Kindes anzusprechen und sich spielerisch der Nahrungsaufnahme zu nähern. Wenn Dein Kind beginnt zu schmatzen, wenn es Dich beim Essen sieht oder weniger dezent einfach auf Deinen Teller greift, biete ihm ruhig ein Stück Banane oder ein Stück gedünstete Karotte oder ein Broccoliröschen an. So lange Du regulär weiterstillst, brauchst Du Dir keine Sorgen machen über eine gute Versorgung Deines Kindes – selbst wenn das meiste davon auf dem Boden oder in Deinen Haaren landet.

Vitamin B12: So lange Du stillst, wird Dein Baby von Deiner täglichen B12-Supplementierung mitversorgt. Je weniger Ihr stillt und je mehr es isst, desto weniger B12 bekommt es von Dir – es wird Zeit Deinem Kind extra B12 zu geben.

Breinahrung

Breie haben den Vorteil, dass man sehr viele Vitamine und Kalorien in sie hineinbekommt. Genau wie bei Baby-Led Weaning geht es auch bei der Breifütterung anfangs nur um eine sachte Tuchfühlung; stell Dich darauf ein, dass es Wochen und Monate dauern kann, bis Dein Kind nennenswerte Mengen isst. Ist es aber soweit, sind Breie nicht nur für Babys der Hit. Zu viel Abwechslung ist zunächst aber keine gute Idee: Wenn Du vier Tage lang Deinem Kind das gleiche Lebensmittel gibst, kannst Du besser beobachten, wie gut es das verträgt.

Wenn Ihr über die Probierphase hinaus seid und es um echte Nahrungsaufnahme geht, ist es wichtig daran zu denken, Öl in den Gemüsebrei zu geben. Gemüse ist gesund, jedoch nicht sehr reich an Kalorien. Am besten Du nimmst ein Öl, das reich an Omega-3-Fettsäuren ist, etwa Leinöl (nur kalt verwenden), Rapsöl (kann mitgekocht werden)  oder Walnussöl. Außerdem sind Hirseflocken, Weizenkeime oder Hefeflocken gesunde Zugaben. Hirse- oder Hafergetreidebrei sind hervorragende eisenreiche Mahlzeiten – gib etwas Orangensaft oder Obstmus dazu, um mit dem Vitamin C die Eisenaufnahme zu verbessern. Führ diese Getreidebreie am besten als regelmäßiges Frühstück ein. Und wenn sich Dein Kind beim Füttern immer den Löffel greifen will, halte immer zwei Löffel bereit: einen für Dich zum Füttern, einen für Dein Baby zum, nun ja, was auch immer Dein Baby damit macht.

Das Kind will nicht essen

Du hast Dein Kind sechs, sieben, acht Monate voll gestillt und es will immer noch nicht essen? So lange Dein Kind weiterhin zunimmt und einen gesunden Eindruck macht, ist dies nicht unbedingt ein Grund für Besorgnis – es gibt viele Babys, die bis hin zur Vollendung des ersten Lebensjahres voll gestillt werden und dabei prächtig gedeihen.

Wenn Du jedoch den berechtigten Eindruck hast, die Muttermilch reiche nicht mehr (etwa weil Dein Baby an Appetit verliert oder nicht zunimmt), ist es vielleicht ratsam, das Blut Deines Babys auf seinen Eisenwert hin zu untersuchen. Das wichtigste ist jedoch: Bleib gelassen. Das ist leichter gesagt als getan, denn von der Frage, ob das Kind isst oder nicht, steht bei vielen Müttern nichts weniger als der Erfolg des Mutterseins auf dem Prüfstand. Denk aber daran, dass Deine Erwartungshaltung bereits auf Dein kleines Baby Auswirkungen hat. Freu Dich an den dicken Backen und Fingerchen und bleib gelassen!

Drei goldene Regeln:
1. Keine feste Nahrung vor dem vollendeten dritten Lebensmonat
2. Niemals das Kind zum Essen zwingen
3. Niemals das Kind fürs Essen loben

Essen muss Selbstzweck bleiben

Zum Glück sind die Zeiten vorbei, in denen ein Kind so lange am Tisch sitzen muss bis es aufgegessen hat (sind sie doch, oder?!). Aber es gibt auch andere Methoden seinem Kind das eigene, natürliche Gefühl für Appetit und Sättigung abzutrainieren: Drohen, bitten, andere Kinder als Vorbild heranziehen, flehen, appellieren… Es gibt keinen Grund, die Stillmahlzeiten nach Bedarf abzulösen durch feste Mahlzeiten mit Druck – Du hast bisher Deinem Kind vertraut, behalte das bei! Dazu gehört auch, das Kind nicht zu loben, wenn es nach Deiner Auffassung nach „gut“ gegessen hat. Unsere Kinder lieben uns, sie wollen uns glücklich machen – wenn sie feststellen, dass Aufessen etwas ist womit sie uns einen Gefallen tun, dann kann das dazu führen, dass sie weiter essen auch wenn sie eigentlich nicht mehr hungrig sind.

Thema Rund ums Baby