Review: „Vegane Eltern – junges Gemüse. Handbuch für den veganen Familienalltag“

Buchcover: Vegane Eltern - junges Gemüse

Ich muss ja sagen: Jedes Mal wenn ein neues Buch rauskommt, das etwas mit vegan und Kindern oder mit vegan und Familie zu tun hat, habe ich immer etwas Bauchschmerzen weil ich dann denke, dass ich das dann reviewen muss, und wenn ich das Buch scheiße finden sollte, muss ich ja ehrlich sein, und dann hassen mich die AutorInnen und der Verlag, und die vegane Szene ist so groß nun auch wieder nicht, und ich werde echt nicht gerne gehasst. In diesem Fall kam erschwerend dazu, dass mich Jonas Engelmann, der gemeinsam mit seiner Partnerin Corinne Matzka das Buch geschrieben hat, im Vorfeld für das Buch interviewt hatte und auch noch ganz schön nett war. Also wusste ich hier, dass ich in dem Buch auch noch sozusagen vorkommen werde, und so war ich gar nicht so unglücklich, dass sich die Veröffentlichung immer weiter nach hinten verschob (im Haus Engelmann/Matzka gab’s nämlich Nachwuchs!) – das Review-Problem konnte ich so getrost Future-Sohra überlassen. Und plötzlich ist Future-Sohra nicht mehr Future-Sohra, sondern Gegenwarts-Sohra, denn das Buch ist schon seit einer ganzen Weile raus und liegt schon ewig auf meinem Schreibtisch (denn auch im Hause Behmanesh hat Nachwuchs für jede Menge Verschiebungen gesorgt). Und was soll ich sagen? Ich finde das Buch toll! Kein Scheiß! Ich bin erleichtert.

Vegane Eltern – junges Gemüse: Interviews & Texte

Es geht um klassische Themen – oft werden sie in Interviews besprochen. So geht es im Gespräch mit der Sozial- und Gesundheitspädagogin Annette Diehl etwa um die Frage, wie man damit umgehen kann, wenn das Kind nicht vegan leben möchte, und welche Rolle Individualisierungsprozesse und Abwehrtendenzen für die Entwicklung des Kindes spielen. Die Ernährungswissenschaftlerin Edith Gätjen erzählt, wie man durch Vorleben sein Kind in eine gesunde Ernährung entwickeln lassen kann. Und was ich auch schön finde: Vegane Familien (in diesem Fall BloggerInnen) kommen zu Wort und werden zu ihrem veganen Familienalltag befragt: Michaela und Timo von Veganos.de, Anke von Gemüsebaby.de und Carrie und Davie und Stefan von veganrockcity.de. Ach ja, und ich!

Mit Tipps für das Vermitteln des Themas Veganismus, für leidgeplagte Eltern mäkeliger Esser, für veganfreundliche Kinder- und Bilderbücher und jede Menge andere Hilfestellungen und Überlegungen für den veganen Kinderalltag (wie geht man mit kritischen Großeltern/KinderärztInnen um? Wie ist das mit Kindergeburtstagen? Was ist mit Zirkussen, Zoos, Haustieren?) ist das ganze echt eine runde Sache. Und was mir richtig gut gefällt: Die AutorInnen bleiben angenehm entspannt. Im Vordergrund steht das Wohlergehen der ganzen Familie – und das wird nicht für den Veganismus geopfert, sondern es wird überlegt, wie das beides in Einklang gebracht werden kann.

Das komplette Inhaltsverzeichnis kannst Du hier nachlesen.

Ein bisschen Kritik habe ich dann aber doch…

Ist aber nicht so schlimm – eher so ein grundsätzlicher Gedanke von mir, quasi eine Gesellschaftskritik, mit diesem Buch als Aufhänger, konkreter mit diesem Satz daraus: „Mit Methoden der schwarzen Pädagogik, also mit Schuldgefühlen und Ängsten zu arbeiten, verbietet sich.“ Fällt jemandem was auf? Anyone? Nur mir? Wie kommt es, dass es so weit verbreitet ist, dass Menschen, die sich dagegen aussprechen, Kindern mit restriktiven Methoden zu begegnen, mit Eltern weniger zimperlich umgehen? Ich finde, Kinder haben es ebenso verdient, dass ihnen nicht mit Methoden der schwarzen Pädagogik begegnet wird, wie es Eltern verdient haben, dass man ihnen keine Verbote erteilt. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der wir alle miteinander achtsam und respektvoll umgehen. Und angesichts der vielen Imperative und „Ihr solltet dies“ und „Ihr müsst jenes“ in diesem Buch, kommt es mir oft weniger wie ein „Handbuch für den veganen Familienalltag“ als eher „Handlungsanweisungen für vegane Eltern“ vor. Finde ich ein bisschen schade – und macht das Buch für mich teilweise auch zu einer etwas anstrengenden Lektüre. Aber ich persönlich reagiere auch etwas empfindlich, wenn Menschen mir sagen, was ich tun oder lassen soll.

Mein Fazit: Ohne ins Schwafeln zu kommen (das Büchlein umfasst angenehm zu lesende 128 Seiten – auch super: es gibt am Ende der Kapitel/Interviews kurze zusammenfassende Sätzchen!) gelingt es hier, das Thema „Veganes Familienleben“ originell und relevant zu bearbeiten. „Vegane Eltern – junges Gemüse“ ist kein Ernährungsratgeber (wobei es am Schluss noch ein Kapitel über gesunde vegane Kinder- und Teenagerernährung gibt, inklusive Nährstofftabelle und Interview mit dem Ernährungswissenschaftler Markus Keller), sondern eine profunde Auseinandersetzung damit, wie veganes Miteinander im Kontext Familie gelingen kann.

Und: Ein Bonus-Sternchen gibt’s für die konsequente Verwendung des Binnen-I im Buch. Props!

Corinne Matzka & Jonas Engelmann: Vegane Eltern – junges Gemüse: Handbuch für den veganen Familienalltag. 129 Seiten, 2016. 12,90 Euro.

 

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