© Alexander Raths - Fotolia.com

© Alexander Raths – Fotolia.com

Sollten vegan oder vegetarisch lebende Menschen sich von Zeit zu Zeit Blut abnehmen und dieses untersuchen lassen, um zu gucken, ob alles in Ordnung ist? Ich bin der Meinung: warum nicht? Gerade bei Kindern ist das gesunde Gedeihen maßgeblich von der guten Versorgung abhängig. Da ist es durchaus sinnvoll, zu überprüfen, wie gut versorgt ein Kind wirklich ist. Das impliziert keineswegs, dass eine vegane Ernährung derart defizitär ist, dass sie beständiger Kontrolle bedarf. Fest steht: „Gut geplante vegane und andere Formen der vegetarischen Ernährung sind für alle Phasen des Lebenszyklus geeignet, einschließlich Schwangerschaft, Stillzeit, frühe und spätere Kindheit und Adoleszenz.“ Aber nur weil die meisten Omnivore (also Menschen, die auch Fleisch und Tierprodukte essen) sich nicht regelmäßig gründlich untersuchen lassen, bedeutet das weder, dass sie gesünder leben, noch ist das ein Grund, dies ihnen nachzumachen. Schließlich will ich nicht, dass mein Kind so gesund ist, wie „normale“ omnivore Kinder, sondern gesünder!

Warum und wann testen?

Es kann viele Gründe geben, die Blutwerte untersuchen zu lassen: Natürlich ist eine Untersuchung angezeigt bei Indikationen wie andauernder Müdigkeit, erhöhter Infektanfälligkeit, schlechter Wundheilung oder länger anhaltendenem mangelnden Appetit. Aber auch bei ganz profaner Unsicherheit kann eine Blutuntersuchung die Gewissheit geben, dass eine vegetarische oder vegane Ernährung für die ganze Familie möglich und machbar und gesund ist. Auch die besorgten und kritische Verwandtschaft kann mit guten Blutwerten beruhigt werden.

Gerade in den ersten Jahren der Umstellung auf vegane Ernährung kann ein bis zwei Mal jährlich eine Blutuntersuchung sinnvoll sein – mit längerer Erfahrung, mehr persönlicher Sicherheit und stabiler Gesundheit können sich die Abstände später auch verringern.

Vergiss nicht, Dir die Ergebnisse mitgeben zu lassen auch wenn alles in Ordnung ist! Damit hast Du Deine Werte selbst im Blick und kannst sie auch sie später mit neueren Ergebnissen vergleichen. 

Welche Werte & die Kosten

Bei den Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft wird für gewöhnlich routinemäßig regelmäßig Blut abgenommen und untersucht. Viele Ärzte rechnen bei Schwangeren oder Kindern dabei die Blutwerte, die über das Spektrum des kleinen oder großen Blutbildes hinausgehen und daher zu den Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) gehören somit vom Patienten selber zu zahlen sind, über die Kasse ab. Einige ÄrztInnen können oder wollen das aber nicht und dann muss man mit Kosten rechnen. Privat Krankenversicherte sollten mit ihrer Versicherung klären, welche Untersuchungen sie übernimmt – für sie gelten andere Preise, als unten aufgeführt.

Die wichtigsten Werte sind Vitamin B12, Eisen, Kalzium und Vitamin D und die werden wie folgt getestet:

Vitamin B12 / Homocystein / Methylmalonsäure:

Vitamin B12 ist der einzige wirklich kritische Nährstoff in der veganen Ernährung. Ist aber nicht schlimm, denn supplementieren ist einfach. Testen hingegen kann knifflig werden: Der normale Vitamin-B12-Serumtest gibt nicht notwendigerweise eine objektive Aussage darüber, wie gut man mit Vitamin B12 versorgt ist, da er auch im Blut vorhandene B12-Analoga „mittestet“, so dass es sein kann, dass die Serumuntersuchung einen guten B12-Wert ermittelt, in Wirklichkeit aber ein Mangel an aktivem B12 vorliegt. Zuverlässiger ist es, den Pegel von Homocystein (ca. 33 Euro) oder Methylmalonsäure (ca. 52 Euro) zu untersuchen – im Falle eines B12-Mangels erhöhen sich nämlich diese beiden Werte. Methylmalonsäure (MMS) kann man (für den gleichen Preis) auch über den Urin testen lassen. Übrigens können auch VegetarierInnen, die nur selten Tierprodukte zu sich nehmen, von einer unzureichender Vitamin B12-Versorgung betroffen sein.

Ferritin:

Mit der Untersuchung Deines Ferritin-Wertes erfährst Du, wie gut gefüllt Dein Eisenspeicher ist. Mit knapp 15 Euro bist Du dabei.

Alkalische Phosphatase:

Alkalische Phosphatase ist das Enzym, das Du überprüfen lässt, wenn Du genau wissen möchtest, wie es um Deinen Kalzium-Haushalt bestellt ist. Der Kalzium-Wert selbst kann nämlich in die Irre führen: Dein Körper sorgt in der Regel dafür, dass der Kalzium-Pegel im Blut konstant bleibt – zur Not zwackt er dafür Kalzium aus den Knochen ab. Der Alkalische Phosphatase-Spiegel ist da aussagekräftiger. Mit etwas über zwei Euro ist dieser Test ziemlich günstig.

Vitamin D:

Wenn Du Deinen Vitamin D-Status untersuchen lassen möchtest, ist es wichtig, die Spezifikation „25 Hydroxi“ anzugeben. Es gibt im Zusammenhang mit Vitamin D noch einen anderen Wert, der sonst in vielen Fällen mituntersucht werden und das ganze teurer machen würde. Der Vitamin D 25 Hydroxi-Test schlägt mit etwa 19 Euro zu Buche.

Zink:

VeganerInnen können tendenziell weniger gut mit Zink versorgt sein als Omnivore – müssen sie aber nicht. Wenn Du es genau wissen möchtest, kostet Dich das etwas mehr als fünf Euro.

Jod:

Mit Jod verhält es sich ähnlich wie mit Vitamin D – die beiden sind nur bedingt ein spezielles Vegan-Problem, da ein Mangel in Sachen Vitamin D und Jod unter der deutschen Bevölkerung weit verbreitet ist. Gerade in der Schwangerschaft ist aber eine gute Jod-Versorgung essentiell wichtig und auch Menschen mit Schilddrüsenproblemen sollten ein Auge auf ihren Jod-Wert haben. Ist zu haben für etwa 52 Euro.

Großes Fettsäureprofil:

Informationen dazu, wie gut die Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren klappt, bekommt man über das Große Fettsäureprofil. Ganz billig ist das mit gut 48 Euro nicht. Kläre am besten im Vorfeld telefonisch ab, ob Deine Arztpraxis diesen Test anbietet, da er normalerweise nicht in den regulären Testbögen der Labore aufgeführt wird.

Den Schmerz lindern

Die Vorstellung, dem eigenen Kind Blut abnehmen zu lassen, bereitet vielen Eltern Unbehagen: Manchmal muss man das Kind festhalten, was durchaus als körperliche Übergriffigkeit empfunden werden kann; manchmal weint das Kind auch dabei. Du kannst Deinem Kind helfen, indem Du klar, weich und gelassen bleibst, denn elterliche Aufregung oder Angst übertragen sich natürlich auf das Kind. Eine Blutabnahme ist auch unangenehmer als z.B. eine Impfung, da die Kanüle dicker ist und auch länger dauert als ein schneller Piks. Aber der Schmerz hält sich in Grenzen – vor allem, wenn die Eltern stabil und verlässlich als Trost zur Verfügung stellen. Bestehe darauf, dass Dein Kind währenddessen auf Deinem Schoß bleiben darf; bei kleineren Kindern kannst Du gegebenenfalls Dein Kind in Deiner Tragehilfe behalten. Wir können unseren Kindern nicht ersparen, jemals Schmerzen zu empfinden – aber wir können für sie da sein, ihren Schmerz und auch ihre Ängste validieren (also bitte nicht Dinge sagen wie: „Nicht so schlimm! Alles gut!“) und sie halten, bis es ihnen wieder gut geht. Schmerzen (körperliche wie mentale) sind vor allem dann schlimm, wenn man mit ihnen alleine bleibt!

Hilfreich können auch Emla-Pflaster (vegan) sein: Das Pflaster enthält eine betäubende Creme und sollte mindestens eine Stunde vor der Blutentnahme auf die Stelle geklebt werden, an der das Blut entnommen wird. Emla ist nicht rezeptpflichtig – nur selten stellen Arztpraxen die Creme oder das Pflaster zur Verfügung. Am besten Du besprichst mit Deiner*Deinem Kinderärzt*in im Vorfeld, wie und wo Blut abgenommen werden soll, so dass Du Dich und Dein Kind vorbereiten kannst.

Manchmal hilft es auch, die Neugier des Kindes zu wecken an diesem außergewöhnlichen Erlebnis und z.B. die Bluttropfen zu zählen, die aus der Kanüle kommen. Und ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen Belohnung und Wiedergutmachung/Ausgleich. Belohnungen finden in meiner Elternschaft nicht statt – aber nach Blutabnahmen/Impfungen dürfen sich meine Kinder danach im veganen Supermarkt etwas Süßes aussuchen, einfach als kleines Geschenk als Zeichen meiner Wertschätzung für ihre Kooperation, und als etwas, worauf sie sich vor und während der Prozedur freuen können.

Disclaimer: Dieser Artikel ersetzt keine medizinische Konsultation! Lass Dich am besten von Deinem Arzt oder Deiner Ärztin ausführlich beraten.