Tierprodukte und Fleisch vs. Umweltschutz

©-Mopic-Fotolia.com

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Du trennst Deinen Müll, benutzt Energiesparlampen und duschst, statt zu baden? Das ist schon mal löblich. Aber wusstest Du, dass nicht nur Kühlschrank und Heizung Mengen an Energie verschlingen, sondern auch (und vor allem!) die Tierindustrie? Wusstest Du, dass die Fleisch- und Tierproduktindustrie zu den Top-Umweltzerstörerinnen der Erde gehört?

Das World Watch Institute bringt es auf den Punkt: „Der menschliche Appetit auf Fleisch treibt nahezu jede der großen Formen von Umweltzerstörung voran, welche die Zukunft der Menschen bedrohen: Entwaldung, Erosion, Wasserknappheit, Luft- und Wasserverschmutzung, Klimawandel, Verlust von Biodiversität, soziale Ungerechtigkeit, die Destabilisierung von Gemeinden und die Verbreitung von Krankheiten.“1

Klimawandel

Natürliche Klimaveränderungen hat es schon immer gegeben. Seit einigen Jahrzehnten wird jedoch deutlich, dass der Mensch einen Klimawandel vorantreibt, der dazu führt, dass die Eispole schmelzen, die Dürregebiete sich vergrößern, Küstenregionen überflutet werden und Naturkatastrophen zunehmen. Verantwortlich dafür ist der Treibhauseffekt.

Die Food and Agriculture Organisation der Vereinten Nation (FAO) kam 2006 in ihrer Studie „Livestock’s long Shadow“ (deutsch: Der lange Schatten des Viehbestands) zu dem Ergebnis, dass die Tierindustrie für 18% der klimarelevanten Treibhausgase verantwortlich ist.2 Das World Watch Institute prüfte diese Zahl und errechnete in seiner Analyse von 2009 jedoch einen weit höheren Anteil: Mindestens 51% der Treibhausgase rechnet es der Tierwirtschaft zu.3

Die Environmental Protection Agency der USA (EPA) stellte 2007 fest, dass die 1,2 Milliarden Wiederkäuer, die global als so genannten Nutztiere gehalten werden, einer der größten Methan-Quellen der Welt sind. Sie sind verantwortlich für fast 30% der gesamten Methan-Produktion.4 Eine Studie der Universität Chicago kam zu dem Ergebnis, dass die Entscheidung, vegan zu leben, deutlich klimafreundlicher ist, als die Entscheidung, von einem benzinfressenden Sportwagen zu einem Kraftstoffsparenden Hybridauto zu wechseln.

Ressourcenverschwendung

Würde man einen Hektar mit Soja bepflanzen, könnte die Ernte 5.000 Menschen direkt ernähren. Verfüttert man die gleiche Ernte jedoch erst an Tiere, um diese schließlich zum Verzehr zu schlachten, würden nur noch 190 Menschen davon satt6: Bis ein Mastschwein seine Schlachtreife erlangt, hat es eine Tonne Futter gegessen. Ein Mastbulle schlägt sogar mit sechs Tonnen zu Buche.7 Jedes Kilo Rindfleisch kostet neun Kilo Getreide.8 Wie kommt das? Um eine Kalorie aus Pflanzen zu produzieren, benötigt es 2,2 Kalorien aus fossilen Energien, mit denen man Dünger gewinnt. Man muss aber ein Vielfaches dieser Pflanzenproteine aufbringen, um tierische Proteine zu erhalten: Das Verhältnis zwischen Energie und Protein bei Hühnern liegt bei 4:1, bei Schweinen 17:1, bei Lamm 50:1 und bei Rindfleisch sogar 54:1.9 Was bedeutet das? Das heißt, wir müssen sehr viel Energie in fossiler (also unerneuerbarer) und in pflanzlicher Form aufbringen, um sehr wenig Energie in tierischer Form zu gewinnen. Insgesamt beansprucht die Tierwirtschaft 70% der globalen landwirtschaftlichen Flächen; deutlich mehr als die Hälfte der gesamten eisfreien Oberfläche unseres Planeten wird, entweder als Weidefläche oder als Anbaufläche für Tierfutter, dafür verwendet, um die Tiere zu ernähren, von denen wir uns ernähren.10

Weltmeere

Allein die Schleppnetzfischerei hat in den letzten 120 Jahren dazu geführt, dass der Fischbestand in den Ozeanen dramatisch gesunken ist. Speisefische wie Heilbutt, Steinbutt, Schellfisch oder die Scholle sind fast vollständig ausgerottet.11 Doch nicht nur Fische sind gefährdet – hier geht es um die ernsthafte Bedrohung eines ganzen Ökosystems: Bei der Schleppnetzfischerei werden gigantische Netze über den Meeresboden gezogen, mit Gewichten, die bis zu fünf Tonnen wiegen12 – diese Technik mäht jedes Jahr eine Fläche nieder, die der doppelten Größe der USA entspricht.13 80-90% des Fanges wird als unverwertbarer Beifang tot oder sterbend zurück ins Wasser geworfen, viele der Arten sind vom Aussterben bedroht: Seepferdchen, Delfine, Wale, Meeresschildkröten,14 aber auch Korallen – mit drastischen Folgen für das ökologische Gleichgewicht der Ozeane. Viele Korallenriffe, einige von ihnen können bis zu 2000 Jahre alt werden, werden sich vermutlich nie wieder erholn.15 Bis zum Jahr 2050 könnte die Fischpopulation vollständig zusammenbrechen.16

Aquakulturen sind keine Alternative: Sie sind nichts anderes als Massentierhaltung. Erschwerend kommt jedoch hinzu, dass viele der Fischarten, die wir essen, mit Wildfisch gefüttert werden: Jeder dieser gezüchteten Fische, die auf unserem Teller landen, hat etwa drei Mal so viel an Wildfisch benötigt.17 Für jeden wild gefangenen Fisch, der auf unserem Teller landet, starben vier weitere Meereslebewesen als Beifang.18

Regenwald

Der amazonische Regenwald – oft die Lunge der Erde genannt, weil er die Luft filtert, Sauerstoff produziert und Kohlendioxid absorbiert – wird kleiner und kleiner. Genauer gesagt wird jedes Jahr eine Fläche gerodet, die der Größe Englands entspricht.19 Der größte Teil dieser entwaldeten Flächen, nämlich etwa 70%.20 wird entweder in Weidefläche für so genannte Nutztiere umgewandelt, oder als Ackerfläche für Sojapflanzen genutzt, mit denen die Tiere gefüttert werden, deren Muskelfleisch später auf unseren Tellern landen, aus deren Häuten unsere Schuhe gefertigt werden. Ihr Fett findet sich in unserer Zahnpasta, unserer Seife und Gesichtscreme, und die Gelatine aus ihren Knochen, Organen und Sehnen sind Bestandteil unserer Joghurts, Kaubonbons und Fruchtgummis.21 Der Regenwald wird für Fleischesser gerodet – nur ein verschwindend geringer Anteil des brasilianischen Sojas ist für den direkten menschlichen Verzehr, und damit für die Tofuessenden Vegetarier und Veganer, gedacht.

Die Rodungen des Regenwaldes sind nicht nur für unser Klima problematisch – sie rauben zahllosen Pflanzen- und Tierarten den Lebensraum. 90% der globalen Tierarten leben im Regenwald. Unergründlich viele Pflanzen könnten uns wahrscheinlich Medikamente für bisher unheilbare Medikamente liefern – wir werden es vielleicht nie erfahren.

Übrigens: Die Vernichtung des Regenwaldes ist für 17% der globalen Treibhausgase verantwortlich.22

Wasser

70 Prozent der gesamten Frischwasser-Ressourcen fließen in die Landwirtschaft (nur 20 Prozent gehen in die Industrie, 10 Prozent in private Haushalte).23 Die Kommission für Nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen hat in ihrem Papier „Water – More Nutrition Per Drop“ festgestellt, dass es nur 550 Liter Wasser braucht, um in einem Entwicklungsland ein Laib Brot herzustellen. Für 100 Gramm Fleisch sind jedoch 7.700 Liter Wasser notwendig.24 Die Vereinigung Deutscher Gewässerschutz hat ausgerechnet, dass die Produktion von nur einem Kilogramm Rindfleisch 15.000 Liter verbraucht.25 John Robbins hat in seinem Buch „Ernährung für ein neues Jahrtausend“ ermittelt, dass eine omnivore Ernährung (also eine, die Fleisch und Tierprodukte impliziert) 15.000 Liter täglich verbraucht. Eine vegetarische Ernährung erfordert 4.500 Liter am Tag – ein Veganer jedoch braucht nur 1.100 Liter.

Umweltverschmutzung

Die Tiere, die wir essen, werden in ihrem kurzen Leben gemästet. Und sie kacken – eine MENGE. In Deutschland fallen jedes Jahr pro Mastschwein im Schnitt 11,6 Kilogramm Gülle und Jauche an.26 Bei einer Gesamtzahl von fast 50 Millionen Schweinen in Deutschland, die 2006 für unser Essen getötet wurden, ergibt das die stolze Menge von 580.000 Tonnen Scheiße – nur von den Schweinen, die wir halten und essen. Eine gigantische Menge, die entsorgt werden muss und eine enorme Belastung für die Umwelt. Der Dung ist jedoch auch fürs Klima gefährlich – er produziert Stickoxide, deren Klimaerwärmendes Potential fast 300 Mal höher ist, als CO2-Gase.

Die Landwirtschaft ist auch für die dramatische Verknappung unserer Wasserressourcen verantwortlich. Die Antibiotika, die wir den Tieren verabreichen, damit in den Massenfabriken keine Seuchen ausbrechen, die Pestizide mit denen wir ihr Futter behandeln, das Stickstoff und Phosphor aus ihren Ausscheidungen und die Abfallstoffe aus Gerbereien verpesten unser Grundwasser und vergiften unsere Böden.27 Mit drastischen Folgen für Menschen: Das Center for Disease Control der USA stellte 1996  etwa erhöhte Fehlgeburts-Raten bei Frauen fest, die in der Nähe von Fressplätzen von Tieren wohnen. Die zunehmende Antibiotikum-Resistenz bei Menschen ist unter anderem auf die Rückstände dieser Medikamente zurückzuführen, die Tieren verabreicht werden und in unserem Trinkwasser Rückstände hinterlassen.28  Auch die Meere bleiben nicht verschont: Das United Nations Environment Programme (UNEP) fand 2004 heraus, dass es in den Ozeanen etwa 150 so genannte tote Zonen gibt – vor allem Abwässer und Düngemittel aus der Landwirtschaft verursachen in diesen Gebieten Sauerstoffarmut im Wasser und stören somit massiv das Ökosystem.29

Ist Bio besser für die Umwelt?

© Foodwatch / Dirk Heider

© Foodwatch / Dirk Heider

Die einen kaufen Bio-Produkte der eigenen Gesundheit zuliebe, andere möchten damit etwas für die Umwelt tun. Aber wie sieht es tatsächlich mit der Umwelt-Bilanz von Bio-Produkten aus? Die Organisation Foodwatch hat in ihrem Report „Klimaretter Bio?“30 festgestellt, dass diese bei Getreide zwar tatsächlich besser ausfällt, als bei den konventionell angebauten Kollegen. Ganz anders sieht es jedoch bei Milchprodukten oder gar Rindfleisch aus. In der Graphik (siehe oben) hat Foodwatch die Klimarelevanz der verschiedenen Ernährungsweisen in Autokilometern ausgedrückt und resümiert in dem Report ganz deutlich: „Die besten Klimaschützer sind diejenigen, die weder Fleisch, noch Milchprodukte verzehren“ foodwatchEin Veganer, der nur Bio kauft, produziert im Jahr nur so viel Treibhausgase, die einer Autofahrt von 281 km entsprechen würde. Kauft ein Veganer nicht im Bioladen, sondern im konventionellen Supermarkt, kommt er auf immerhin 629 km. Ein Alles-Esser, der konventionell (also nicht bio) einkauft, schlägt hingegen mit einer drastischen Bilanz von 4.758 km zu Buche – viel besser wird es nicht, wenn er Bio kauft, denn damit würde er gerade mal 381 km einsparen.

Fazit: Deutlich klimafreundlicher ist also nicht der Griff zum Bio-Regal, sondern der Verzicht auf Tierprodukte! 


1World Watch Institute: Meat: Now it’s not personal
2FAO: Livestock’s long Shadow
3World Watch Institute: Livestock and Climate Change
4EPA: Ruminant Livestock
5University of Chicago: Study: vegan diets healthier for planet, people than meat diets
6Franz Nuscheler: Entwicklungspolitik
7Zeit: Unsere Liebe zum Tier
8 Guardian: Take meat off the menu
9Guardian: Take meat off the menu
10FAO: Livestock’s long Shadow
11wissenschaft.de: Überfischung mit Tradition
12The Deep Sea Conservation Coalition: Bottom Trawling
13Greenpeace: Bildergalerie: Gefahr für die Tiefsee
14Jonathan Safran Foer: Tiere essen, Seite 220
15Guardian: Scientists call for deep-sea trawling ban
16Spiegel: Leere Meere
17Tier-im-fokus.ch: Fischzucht ist ein Motor der Überfischung, keine Alternative
18Greenpeace: Bildergalerie: Gefahr für die Tiefsee
19Guardian: Is our taste for Sunday roast killing the planet?
20FAO: Livestock’s long shadow
21Guardian: Amazon rainforests pay the price as demand for beef soars
22Guardian: Meat consumption per capita
23Hermann Lotze-Campen: Wasserknappheit und Ernährungssicherung, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, 19. Juni 2006
24World Watch Institute: Now, it’s not personal
25Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V.: Virtuelles Wasser
26Jonathan Safran Foer: Tiere essen, Seite 389
27FAO: Livestock a major thread to environment
28Natural Ressources Defense Council: Facts about Pollution from Livestock
29UNEP: Year Book 2009
30Foodwatch: Klimaretter Bio?

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